Ab ins Kloster

Ich gebe zu, ich habe schon den ein oder anderen irritierten Blick kassiert, als ich mit meiner neuesten Idee „Hurra, ich gehe ins Kloster!“ um die Ecke kam.

Wem will ich es auch verübeln? Noch vor einiger Zeit wäre ich garantiert die Erste gewesen, die die Nase gerümpft oder weniger schmeichelnde Worte für jemanden gefunden hätte, der sich freiwillig auf so einen „Esoterik-Hokuspokus“ einlässt.

Interessant, wie das Leben so spielt…ein paar Jahre, viele Abzweigungen, unzählige Artikel und Hörbucher zum Thema Persönlichkeitsentwicklung und zwei Coaches später, stehe ich nun hier und checke zu einem Wochenend-Retreat in einem buddhistischen Kloster ein.

Wie konnte das nun schon wieder passieren?!


Sei achtsam

In meinem Seminar geht es um Achtsamkeit. Achtsamkeit gegenüber uns selbst, gegenüber unserer Natur, gegenüber anderen Menschen.

Ich frage mich, wie achtsam ich selbst bin und stelle fest, dass ich, seit ich mich auf meine persönliche Reise der Persönlichkeitsentwicklung begeben habe, einen großen Schritt in die richtige Richtung gegangen bin.

Mit der Natur habe ich mich schon immer sehr nah und verbunden gefühlt. Und auch wenn ich noch immer gern Fleisch esse, so habe ich auch bemerkt, dass sich mein Konsum in den letzten Jahren drastisch reduziert hat und ich verstärkt darauf achte, woher es kommt. Also, keine 100 Punkte auf der Naturskala, aber im grünen Bereich.

Ich gehe insgesamt achtsamer mit mir selbst und anderen um. Je mehr ich über mich, meinen Körper und meine Mitmenschen lerne, desto leichter fällt mit der Umgang. Aber auch da gibt es sicherlich Luft nach oben.

Ich merke, dass ich mir viel zu selten die Zeit nehme, bewusst im Hier und Jetzt zu sein. Vor lauter Visionen und Zielen den aktuellen Moment zu genießen und wertzuschätzen. Denn auch das ist wichtig. Es ist gut, Ziele zu haben, wenn Du etwas in Deinem Leben verändern möchtest, aber vergiss darüber niemals die wertvollen Situationen im Hier und Jetzt.

Achtsamkeit gegenüber Dir selbst bedeutet auch Achtsamkeit gegenüber Deinem Körper. Ein gesunder Körper ist Dein wertvollstes Gut.

Lerne, wieder auf die Signale zu hören, die Dir Dein Körper sendet. Arbeitest Du zu viel? Isst Du zu ungesund? Bist Du gestresst? Fühlst Du Dich unglücklich? Hast Du alte Baustellen, die Dich nicht loslassen? Grübelst Du zu viel? Vergiften Dich äußere negative Einflüsse? Macht Dir der Überfluss zu schaffen? Überfluss an Möglichkeiten, Kleidung, Erreichbarkeit? Zieht Dich Dein Job runter?

Gehe ab und zu mal in Dich und spüre, ob Du noch glücklich bist. Sei achtsam mit Dir selbst – denn nur so kannst Du für andere da sein.

Achtsamkeit bedeutet für mich auch Bewusstsein. Unter dem Zeichen des Bewusstseins stehen all meine Blog-Artikel. Ich möchte Dir helfen, Deine Augen zu öffnen, Dinge zu sehen.

Sei Dir den Dingen bewusst. Je mehr Du lernst, desto bewusster und achtsamer wirst Du durchs Leben gehen. Dir werden immer mehr Dinge auffallen, die Du früher vielleicht übersehen hättest. Du wirst spüren, wer oder was Dir nicht gut tut. Wann sich Dein Körper gut oder weniger gut fühlt.

Du wirst Muster erkennen können, nach denen Du Dir angewöhnt hast, zu leben. Dir wird bewusst werden, ob sie Dir helfen oder Dich eher blockieren.

Übernimm Eigenverantwortung!

Niemand ist für Dein persönliches Entertainmentprogramm und Wohlbefinden verantwortlich. Niemand wird Dich an die Hand nehmen und Dir Deine großen Träume erfüllen. Niemand wird in Dich hineinsehen und erkennen können, dass es Dir nicht gut geht, wenn Du es selbst nicht erkennst.

Meine Artikel sind keine Anleitung zum Glücklichsein. Auch kein Coach wird Dir die totsichere Formel zur inneren Erfüllung an die Hand geben können. Wir können Dir nur verschiedene Möglichkeiten vorstellen und Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Wir können Dir verschiedene Schlüssel zeigen – durch die Tür gehen, musst Du allein.

Du allein bist verantwortlich, dafür Sorge zu tragen, dass Du glücklich, gesund und erfüllt bist. Dass Du in Dir ruhst.

Also sei achtsam mit Dir – für Dich!


Buddhas Weg

Buddhas Weg ist ein buddhistisches Kloster in Wald-Michelbach im schönen Odenwald. Wer Frieden und Ruhe sucht, wird hier sicherlich fündig werden.

Eingebettet in die satte grüne Landschaft des Odenwalds, liegt das Kloster auf einer Anhöhe, die einen traumhaften Blick ins Tal preisgibt.

Wer nun jedoch ein altes herrschaftliches Gebäude aus Stein mit großen Türmen und majestätisch geschwungenen Dachwölbungen erwartet, wird enttäuscht. Das Gebäude des Klosters selbst ist ein ehemaliges Rehazentrum, dessen zweckmäßiger Klinik-Charme auch durch den Umbau nicht gänzlich weichen konnte.

Die buddhistischen Mönche und Nonnen rund um den damaligen Abt des Klosters, Zenmeister Thich Thien Son, haben das Zentrum allerdings mit viel Liebe zum Detail umgebaut und zu einer schönen Begegnungsstätte und einem Rückzugsort für Menschen aus aller Welt werden lassen, die auf der Suche nach innerer Ruhe sind.

Die stilvolle Dekoration und ruhige, entspannte Atmosphäre lassen schnell vergessen, dass man sich in einer ehemaligen Klinik befindet.

Ein optisches Highlight ist das Teehaus. Das frühere Schwimmbecken ist einem wunderschön angelegten Koi-Teich gewichen, der teilweise unter dem Sitzbereich verläuft. Der Raum ist wunderbar hell und bietet eine gemütliche und naturnahe Atmosphäre durch die verlegten Holzdielen, Steinplatten und Kieselsteine.

Das Teehaus bietet einen tollen Blick auf die Terrasse und die grüne Landschaft und die Gäste können sich von dem entspannten Treiben der Kois anstecken lassen, während sie ein leckeres, selbstgemachtes Stück Kuchen genießen.

Neben den Gästezimmern, Seminar- und Meditationsräumen, dem großen Speisesaal mit wunderschönem Ausblick über das Tal und dem herrlichen Garten, den verschieden große Buddha-Statuen und bunte Gebetsbänder zieren, findet sich in Buddhas Weg auch ein ganzheitliches Gesundheitszentrum für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM).

Deswegen bin ich aber nicht hier. Zumindest diesmal nicht.


Offen für Neues

Mein Seminar heißt: Zeit für mich – Auftanken im Kloster.

Eine Bekannte machte mich vor einiger Zeit auf die Seite geistigfrei.de aufmerksam. Peter Schuth ist selbst Coach und bietet hier verschiedene Seminare rund um ein bewusstes und achtsames Leben an.

Nachdem mich das große, asiatisch anmutende Eingangstor am Parkplatz begrüßte und ich eingecheckt habe, bin ich gespannt, was mich an diesem Tag erwartet.

Ich bin offen für Neues. Offensichtlich, denn sonst wäre ich nicht hier.

Ich habe gelesen, dass eines der Hauptthemen des Wochenendes die Meditation sein wird. Für mich komplettes Neuland, aber ich freue mich darauf, zu lernen, wie ich das ewige Gebrabbel meiner Hirse für eine Weile abstellen oder zumindest ausblenden kann.

Also lege ich all meine Vorurteile ab (okay, ich schiebe sie vorerst beiseite) und lasse mich überraschen.


Die Natur als Energielieferant

Wir machen einen Spaziergang durch den Wald. Es hat gerade geregnet und es duftet nach Pilzen und frischem Holz.

Die Sonne kämpft sich durch die grünen Wipfel der Tannen. Vögel zwitschern. Unter meinen Füßen knarzt und knackt es, als ich den Weg hinauf über abgebrochene Äste und Zweige stapfe.

Die Luft ist kalt und klar. Ich atme tief ein. Fühlt sich das toll an!

Ganz ehrlich, wann warst Du das letzte Mal im Wald oder in der Natur allgemein? Und ich meine ganz bewusst? Dass Du die Gerüche, Eindrücke und Geräusche wirklich wahrgenommen hast?

Ich halte die Natur für den besten Energielieferanten, den wir uns wünschen können. Nichts lädt müde Akkus schneller auf, als ein Spaziergang im Wald.

Ich spüre die Lebensgeister.

Über dem gesamten Wochenend-Retreat schwebt das Wort „Achtsamkeit“.

Und während ich so laufe und die pure, unverfälschte Schönheit der Natur aufnehme, denke ich mir, dass wir das eigentlich viel zu selten tun.

Achtsam sein. Bewusst leben. In die Natur gehen und sie bewusst wahrnehmen.

Und mit bewusst wahrnehmen meine ich nicht das inbrünstige Umarmen von Bäumen (aber hey, wer es mag….feel free!). Ich meine, wirklich einmal jeden Schritt bewusst erleben. Mitfühlen.

Auf das Knacken der Äste unter den Füßen achten, die Beschaffenheit des Bodens, wie die Luft riecht…nach Regen? Pilzen? Holz? Dem Waldboden? Oder vielleicht nach Frühling?

Im Alltagstrott sind wir so getaktet, dass wir uns kaum Zeit nehmen, das Hier und Jetzt zu genießen. Peter, unser Seminarleiter, sagte heute etwas dazu und er hat Recht:

Am Wochenende sind wir gedanklich schon wieder bei Montag und der neuen Woche, zum Feierabend denken wir ans Abendbrot, morgens denken wir an den Tag und die anstehende Arbeit, über die Woche hält uns der Gedanke ans Wochenende über Wasser.

Wir schreiben E-Mails, chatten mit Familie und Freunden, sind über die ganze Welt vernetzt.

Wir sind mit unseren Gedanken ständig überall – aber nie im Hier und Jetzt!

Ganz bewusst in diesem Moment.

Einige Meter gehen wir mit verbundenen Augen durch den Wald. Auch das ist eine spannende Erfahrung, weil sich die Sinne viel mehr auf das Hören, Fühlen und Riechen fokussieren.

Die Geräusche des Waldes sind unglaublich!

Ich fühle mich der Natur wieder mehr verbunden. Als blühte ich auf. Während wir uns im Blindflug langsam vortasten, versuche ich, jedes Geräusch, jeden Geruch und jedes Gefühl in mich aufzusaugen.

An einem großen Steinbruch kommen wir zum Stehen und nehmen die Augenbinden ab. Nachdem sich die Augen wieder an das Licht gewöhnt haben, haut uns die Schönheit des Anblicks um.

Wir stehen auf einer matschig grünen Wiese, umgeben von steilen, hohen Felswänden. Ringsherum Bäume, das Geräusch des Windes – und das unablässige Gezwitscher von Vögeln. Wir hören einen Waldkauz rufen. Die Sonne bricht durch die Tannen und scheint uns warm ins Gesicht.

Was soll ich sagen?!

Mein Tipp:

Wenn Dein letzter Ausflug in die Natur schon länger her ist, schnapp Dir eine warme Jacke und feste Schuhe und gehe mal wieder in den Wald.

Und atme mal ganz tief ein. Einfach so.


Meditation, die Erste

Nach unserer Wanderung und einem leckeren Essen steht Meditation auf dem Programm.

Also quasi Achtsamkeit in ihrer reinsten Form.

Wenn Du einmal versucht hast, 30 Minuten regungslos auf einer Stelle zu sitzen – mit geradem Rücken wohlgemerkt – und an nichts Konkretes zu denken, weißt Du, was ich meine.

Beim Meditieren bleibt Dir nichts anderes übrig, als im Hier und Jetzt und ganz bei Dir zu sein.

Nur so kommst Du in einen Zustand der Entspannung und tiefer Gelassenheit, der Dich davor bewahrt, fiese Krämpfe in beiden Beinen zu bekommen.

Es ist mein erster Versuch. Ich konzentriere mich auf die Innenflächen meiner Hände, wie Peter es uns erklärt hat, und siehe da: Ich entschwebe.

Okay, ich gebe zu, es ist mehr ein leises, langsames Vor-mich-hin-dämmern, aber es funktioniert. Für 15 Minuten sitze ich regungslos da und lasse meinen Geist ruhen.

Ich sinke in einen merkwürdigen Zustand zwischen Wachen und Schlafen, in dem ich alle Gedanken, sofern sie denn kommen, zur Kenntnis nehme, aber sie auch unbeeindruckt wieder gehen lasse.

Und ich muss sagen – es fühlt sich gut an.

Als ich den Gong höre und langsam wieder zu mir komme, fühle ich mich wach, klar und erholt.


Die Wichtigkeit vom Nichts

Letztendlich ist Meditation nichts anderes, als bewusst nichts zu denken. Also Deinem rationalen Verstand, der konstant auf Dich einbrabbelt, einmal bewusst Sendepause zu geben.

Unser Leben ist so laut und überfüllt geworden. Wir sind konstant „on“, versuchen allem und jedem gerecht zu werden – nicht zuletzt unseren eigenen hohen Ansprüchen – sind rund um die Uhr erreichbar und neigen dazu, uns die rare Freizeit mit dermaßen vielen Aktivitäten vollzustopfen, dass wir verlernen, was Leere bedeutet. Das Nichts.

Es fängt ja oft schon in der einfachen Kommunikation an. Viele von uns bekommen körperliche Beklemmungen, wenn ein Gespräch ins Stocken gerät und ins unbehagliche Schweigen abdriftet. So sehr, dass sie anfangen, wild drauf los zu erzählen. Irgendwas. Hauptsache, jemand redet.

Müssen wir wirklich immer reden? Zu jedem Thema gefragt oder ungefragt unsere Meinung abgeben? Irgendetwas kommentieren? Ist das wirklich so wichtig?

Wenn wir zu Hause sind, stellen wir oft den Fernseher an – nur um der Stille zu entgehen. Im Auto hören wir Radio.

Wir haben verlernt, das Nichts wertzuschätzen. Die Stille. Die Leere. Wir konzentrieren uns so sehr auf das, was ist. Nicht auf das, was nicht ist.

Aber hast Du Dich mal gefragt, was die Welt ohne das Nichts wäre?

Ohne Leere kann in unserer Dualität nichts existieren. Denke einmal an ein Gefäß. Es besteht aus Ton, Glas oder Porzellan. Es hat eine bestimmte Form. Aber es wird erst wirklich nutzbar durch die Leere in der Mitte. Eine Tasse hat einen Henkel. Der Henkel selbst ist vielleicht besonders toll geformt – aber auch er wird erst zum Henkel durch das Loch in der Mitte.

Denke an Häuser, Räume, Regale…

Im übertragenen Sinne gilt das auch für unser Mindset. Wir fokussieren uns so sehr auf die negativen Dinge, die uns passieren und vergessen darüber all das Positive, das uns tagtäglich umgibt.

Wir sollten viel öfter einfach dankbar sein – für unsere Gesundheit, dafür, dass wir heute Morgen aufstehen und diesen Tag erleben durften, dass wir den Himmel sehen, in einem vergleichsweise sicheren Land leben dürfen und ein Dach über dem Kopf haben, dass wir heute etwas Essen durften, dass die Sonne scheint, für das Gefühl von Regen auf der Haut…

Es gibt so vieles, das wir im Alltagschaos aus den Augen verlieren. Das Nichts. Aber es ist nicht Nichts.

Was ich damit sagen will: Schenke dem Nichts mehr Beachtung. Der Stille. Dem, was zwischen zwei Gedanken passiert. Das bist Du.

Und genau darum geht es bei der Meditation.


Meditation im Alltag

Eines vorweg: Ich bin kein Meditations-Trainer und ich kann Dir auch nicht alle Techniken erklären, die wir im Rahmen des Seminars vorgestellt bekommen haben. Wenn Dich das Thema näher interessiert, kann ich Dir nur empfehlen, Dich z. B. bei Peter Schuth beraten zu lassen und vielleicht auch eines seiner Seminare zu besuchen.

Was ich als blutiger Anfänger allerdings mitgenommen habe, ist Folgendes:

Ganz grob gesagt, sorgt Meditation dafür, Dich zu erden und im Hier und Jetzt anzukommen. Sie hilft dabei, Deine Gedanken bewusst beiseite zu schieben, um ganz bei Dir zu sein und zur Ruhe zu kommen.

Wer nun denkt, Meditation sei perfekt, um wichtige Entscheidungen zu fällen, dem sei gesagt: Meditation schafft nur die Basis. Sie schafft Klarheit, ist aber nicht dafür gedacht, Dein Hirn dabei erst so richtig auf Touren zu bringen und das Für und Wider großer Vorhaben abzuwägen.

Betrachte die Meditation also eher als tägliche Möglichkeit, Dich zu erden und bei Dir zu sein. Und nutze sie als Vorbereitung, um einen klaren Kopf für große Entscheidungen zu schaffen.

Wie schon so oft in meinem Blog geschrieben, gibt es auch hier kein Richtig oder Falsch.

Finde eine Position, einen Ort und eine Methode, mit der Du Dich am wohlsten fühlst. Im Seminar haben wir auf Meditationskissen gesessen – und nein, es kommt nicht darauf an, die perfekte Meditationsposition einzunehmen und die Beine im dreifach verknoteten Schneidersitz zu kreuzen, wie Du es vielleicht von Bildern kennst.

Keinem ist damit geholfen, wenn Du Dich in die Position zwingst und dann für die nächsten 15 Minuten an nichts anderes denken kannst, als Dein schmerzendes Knie.

Finde eine für Dich angenehme Position und sorge dafür, dass Dein Rücken möglichst gerade ist. Ganz im Sinne der Achtsamkeit gegenüber Deinem eigenen Körper – er wird es Dir danken.

Schließe Deine Augen, atme ganz ruhig und lasse einfach los. Wenn Gedanken kommen, lasse sie einfach ziehen – bewerte sie nicht. Sei ganz bei Dir.

Um den Einstieg zu finden, haben wir uns z. B. auf unsere Handinnenflächen konzentriert. Auf die Energie, die wir in ihnen spüren. Eine andere Möglichkeit ist es, vor dem geistigen Auge zu zählen oder eine gedankliche Reise durch unsere Körperteile zu unternehmen und jeweils in einem Bereich zu verweilen. Auch eine Gehmeditation haben wir probiert. Alternativ kannst Du entspannenden Klängen lauschen.

Wenn Du es schaffst, für 10-15 Minuten an einem ruhigen Ort in Deinem Zuhause zu meditieren, wirst Du die Techniken auch bewusster im Alltag anwenden können, um sogar an überfüllten öffentlichen Plätzen in Dich zu gehen und Ruhe zu finden. Das ist aber sicherlich Übungssache.

Ich kenne einige Menschen, die die Meditation als festen Bestandteil in ihre Morgen- und Abendroutine mit aufgenommen haben. Für einen klaren, befreiten Start in den Tag und um vor dem Einschlafen zur Ruhe zu kommen. Auch das ist aber ganz individuell – so wie auch die Dauer. Probiere Dich aus und schaue, was für Dich am besten passt.

Und ganz wichtig:

Höre auf, es zu wollen!

Lass es einfach passieren. Wenn Du abschalten kannst, gut – wenn nicht, auch gut. Nichts ist richtig oder falsch, gut oder schlecht.

Wenn Du Dich schon auf die Matte legst oder in die Position begibst mit dem Gedanken, dass es heute aber klappen muss mit dem Abschalten oder der großen Erleuchtung, wirst Du unterbewusst wahrscheinlich genau das Gegenteil bewirken.

Wir müssen wieder lernen, loszulassen.


Innerer Kraftort

Ein innerer Kraftort ist eine Art Rückzugspunkt in Deinem Inneren. Ein wunderschöner, sorgenfreier Ort – er kann real oder fiktiv sein – an den Du Dich mental zurückziehen kannst, wenn es um Dich herum mal wieder turbulent zugeht.

Stelle Dir diesen Ort zunächst vor. Mit allen Details – ähnlich wie wir es auch schon mit unserer Vision gemacht haben.

Um im Alltag leichter den Zugang zu diesem Ort zu finden, kannst Du Dir auch einen sog. Anker setzen. Mache z. B. eine bestimmte Handbewegung, lasse zwei Finger sich berühren, drücke Deine Hand oder ähnliches. Diese Bewegung soll als Anker dienen, der Dich zurück zu Deinem Kraftort führt.


Du bist nicht Dein Verstand

Wann nehmen wir uns im Alltag einmal die Zeit – und wenn es nur 15 Minuten sind – um wirklich mal ganz bei uns zu sein? Zu sitzen und in uns zu ruhen?

Ein anderer Satz ist noch hängen geblieben. In ähnlicher Form habe ich ihn schon oft gehört, aber mir ist seine Bedeutung erst heute bewusst geworden:

Du bist nicht Dein Verstand oder Deine Gedanken!

Du hast diese Gedanken, sie kommen und gehen. Aber viele davon rauben Dir nur Deine Energie, wenn Du Dich mit ihnen beschäftigst.

Lass Deinen Verstand Dir so viele Gedanken senden wie er möchte – allein Du hast in der Hand, welche Beachtung Du ihnen schenkst.

Und das stimmt. Wie oft drehen wir uns im Kreis und zermürben uns selbst, wenn wir unseren Gedanken nachjagen?

Gerade die Perfektionisten unter uns kennen das Spielchen nur zu gut. Alles wird hinterfragt, geprüft, korrigiert.

Und irgendwann denken wir, wir sind unsere Gedanken. Wir geben uns Namen und sagen „Ich bin langsam / dumm / faul / nicht gut genug / zu dick / zu dünn / zu hässlich…“.

Dabei ist unser Verstand nur eine Art innerer Computer, der uns all diese Gedanken auf den Bildschirm schickt, um uns vor irgendwas zu bewahren.

Erinnerst Du Dich noch an das Reptiliengehirn, über das ich mal geschrieben habe? Seine evolutionsbedingte Aufgabe ist es, uns am Leben zu halten.

Und um das zu tun, wird es auf Teufel komm raus den Status Quo beibehalten wollen. Deinen jetzigen Zustand – denn: Du lebst ja noch! Und das ist doch erst mal löblich.

Damit das so bleibt, verhindert dieser Teil Deiner Hirse jegliche Art von Veränderung. Neue Hobbies oder Interessen? Ganz schlecht. Du willst stillsitzen, nichts denken und mal Meditation ausprobieren? Bist Du wahnsinnig?

Was soll der Scheiß? Hast Du nichts Besseres zu tun? Ich glaube, Dein Knie tut weh. Und aufs Klo könntest Du auch mal wieder. Echt jetzt? Kommst Du Dir nicht total lächerlich vor? Was soll Deine Familie von Dir denken?

So oder so ähnlich wird sich der Monolog wahrscheinlich anhören. Dein Hirn zieht alle Register, um Dich von dieser Schnapsidee wieder abzubringen.

Aber erinnerst Du Dich? Wann auch immer Du im Leben diesen oder einen ähnlichen inneren Monolog hörst – Du allein hast es in der Hand, ihm Beachtung zu schenken und Dir von ihm Deine Energie rauben zu lassen oder die Gedanken beiseite zu schieben und ziehen zu lassen.

Es sind nur Gedanken! Und Du bist nicht Deine Gedanken!

Nutze Deinen Verstand bei rationalen Fragestellungen (wie Deinen Computer): Wie komme ich am schnellsten von A nach B? Wie teuer ist ein Zugticket nach Hamburg? Was muss ich bei meiner Steuererklärung beachten?

Er ist allerdings ein schlechter Ratgeber bei Herzensangelegenheiten und um zu uns zu finden. Lerne, wieder auf Deine Intuition zu vertrauen.

Das wusste schon Albert Einstein:

„Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.“


Fazit

Ich war 2,5 Tage weg und fühle mich, als sei ich eine Woche im Urlaub gewesen.

Der Einstieg in das Thema Meditation war unglaublich interessant und aufschlussreich. Ich fühle mich inspiriert, einige der Techniken nun auch im Alltag anzuwenden.

Mir ist bewusst, dass mein Verstand oft gegen mich arbeitet. Wenn es still wird, dreht er erst so richtig auf. Im Kloster ist mir klar geworden, dass das aber nicht ich bin. Es sind nur meine Gedanken – und ich habe die freie Wahl, ob ich ihnen nachjage und weiterspinne oder ob ich sie einfach kommen und gehen lasse, ohne ihnen Beachtung zu schenken. Das mag sicherlich nicht immer einfach sein – vor allem bei den ersten Meditationsversuchen – aber mit etwas Übung wird es leichter.

Meine persönliche Empfehlung nach diesem Wochenende:

Nimm Dir öfter im Alltag die Zeit, Dir und Deinem Verstand bewusst eine Auszeit zu geben. Fahre runter, lege das Handy weg, komm zur Ruhe – sei ganz bei Dir. Und wenn es nur 10 Minuten sind. Du wirst staunen, wie klar und erholt Du Dich danach fühlst. Es ist fast inspirierend.

Und verbringe mehr Zeit in der Natur. Ganz bewusst. Die Kraft des Waldes ist einfach unglaublich. Wir kommen ursprünglich aus der Natur bzw. sind ein Teil von ihr und haben diese Tatsache mit den Jahren einfach komplett verdrängt. Unser Körper erinnert sich aber noch an diese Verbindung aus grauer Vorzeit und blüht draußen wieder so richtig auf.

Bleibe öfter einfach mal stehen und atme gaaaaanz tief ein. Wir vergessen, zu atmen. Bewusst zu atmen. Und wie gut sich das anfühlt.

Schenke dem Nichts zwischen den Gedanken mehr Aufmerksamkeit und freue Dich mehr über das Positive. Die vielen schönen Dinge im Leben, die uns heute fast selbstverständlich erscheinen, es aber nicht sind.

Und das Allerwichtigste:

Tu es einfach!

Über etwas nachzudenken, ist gut – bringt Dich Deinem Ziel aber nur bedingt näher. Lass los – wenn Dir etwas wichtig ist, mach es einfach!

Und lass Dich nicht von anderen abhalten oder ignoriere, wenn sie Dich belächeln. Denn noch ein wunderbarer Satz von Peter ist mir im Gedächtnis geblieben:

„Was Du über mich denkst, geht mich nichts an!“

An dieser Stelle möchte ich ein großes Dankeschön an Peter Schuth hier lassen, dessen Seminar mir viel Spaß gemacht und mich inspiriert hat. Es wird sicherlich nicht das Letzte gewesen sein!

In diesem Sinne, ich wünsche Dir, dass Du in Deinem Alltag die innere Ruhe und Gelassenheit findest, die Du suchst.

Liebe Grüße

Sandra

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